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Zürich, 14.12.2025 Stimmungsvolles Remmidemmi am Limmat Der Reigen der Silvesterläufe beginnt bereits über zwei Wochen vor
dem letzten Tag des Jahres. Die Schweizer sind da etwas schneller, der 49. Zürcher Silvesterlauf findet immer schon Mitte Dezember statt - am letzten Tag des Jahres ist ein solches achtstündiges Ereignis mit in
allen Rennen 22000 Teilnehmern nicht zu stemmen. Ich hatte noch Urlaubtage und nutzte so mal die Gelegenheit, dieses Ereignis kennenzulernen. Abgestiegen bin ich jedoch im deutlich günstigeren Ibis-Styles in
Singen, dicht am Bahnhof und an der Innenstadt. Das Wetter war beständig: Trüb und Hochnebel, Berge und Hohentwiel versteckten sich in den tiefhängenden Wolken. Die Fahrt nach Zürich dauert über Schaffhausen ja
nach Umsteigezeit und Zuggattung etwas mehr als eine Stunde. Vom Hauptbahnhof war es dann nicht weit bis zum MIGROS in der Löwenstraße, wo es die Startnummer und eine Laufmütze gab. Schlauchschal in Ochsenfurt,
Mütze in Zürich... Danach schaute ich mir mal das neue Letzigrundstadion von aussen an, im altem war ich ja zweimal als Zuschauer drin, auch beim Abschiedsmeeting. Dann erkundete ich erst mal der
Veranstaltungsareal, um die Örtlichkeiten kennenzulernen. Später schlug ich die Zeit in der ShopVille unterm Hauptbahnhof tot, da war es wärmer und die Geschäfte offen.

Beim Volkslauf über 8,5 Kilometer gab es 6993 Zieleinläufe, verteilt auf fünf Zeitläufe. Der zweite war für die
Läufer mit einer Zielzeit von 40 bis 50 Minuten gedacht und da glaubte ich, dies schaffen zu können. Zu einem gibt
es keinen Zielschluss und zum anderem war es der letzte Lauf bei allerdings bereits schwindenem Tageslicht. Zwecks Erwärmung lief ich dann ein Stückchen am Zürichsee entlang.
Um 15:40 Uhr war unser Start und der zweite Lauf war mit 2300 Meldungen schon frühzeitig vollbesetzt. Ich kam
etwas spät in den Block und so nicht allzuweit nach vorne. Ich meint zwar, eh weiter hinten zu landen, aber ein
großer Teil des Feldes finishte wohl jenseits der 50-Minuten-Marke. Gleich nach dem Start zog ich gleich mal
meine Ärmel hoch, trotz der Kälte war mir warm. Dafür trug ich aber die Mütze, welche es kurz vorher gab. Nach einer Minute war ich zwar über die Startlinie, aber frei laufen konnte man kaum. Es waren drei Runden zu
absolvieren, am Limmat entlang, über zwei Brücken und durch die Altstadt und über die Bahnhofstraße, der teuersten Meile der Schweiz. Die erste Runde lief ich gezwungenerweise im Sechser-Schnitt, dann folgten etwa
5:15 min und in der Schlussrunde dann knapp über 5 Minuten je Kilometer. Die erste Runde war nur, sich durchzudrängeln. Immer wieder war die Strecke blockiert, berauf blieben manche fast stehen und bergab
schlichen viele runter, es gab auch mal Stau bis zum Stillstand. Immer wieder die dichten Zuschauerreihen, mal
Musik, die Blitze der Fotografen. Irgend jemand sprach mich, als ich ihn überholte, an, dass ich tatsächlich aus
Ansbach hierher gekommen bin. Ab Runde zwei wurde es besser, nun war schon ein bisschen mehr Platz. Ich überholte immer weiter, ab und an kam aber bis zum Schluss auch von hinten jemand vorbeigeschossen. Nun
begann das Laufen Spaß zu machen. Ich war zwar ohne Leistungsdruck, aber nach Laufen sollte es doch aussehen. Inzwischen war auch Platz, schwungvoll durch die Kurven zu laufen. Da es hier etliche Zeitmatten gab,
konnte ich ihnen später entnehmen, dass ich mich im Rennverlauf in der M60-69 in der Gesamtwertung aller fünf
Läufe von Platz 158 auf Platz 89 hab vorarbeiten können, in der Männerwertung von 2576 auf 2137. Insgesamt
finishten in allen fünf Rennen 3993 Männer und genau 3000 Frauen. Die letzte Runde schien mir kurzzeitig etwas
schwerer zu fallen, aber vielleicht lag es auch daran, dass sie schneller war. Von den “echten” Wettkämpfen war
dies ohnehin mein längstes Rennen seit den 10 Kilometern beim Metropol-Marathon 2024. Auf den letzten Metern nochmal ein schöner Entspurt im Lärm der Zuschauer, welche auf die Bande trommelten. Nach offiziell 45:07
Minuten war es geschafft und ehrlich gesagt: ich hätte nicht mit dieser Zeit gerechnet. Über die Quaibrücke ging ich dann wie viele andere zum Startareal. Die Umkleidehütte war voll, so zog ich mich
auf der Straße um, da war mehr Platz. MIGROS sponsoerte an einem Start heißes alkoholfreies Glühbier, damit setzte sich mich auf einem
Liegestuhl an einer Feuerschale. Später folgte dann an gleicher Stelle von einem anderen Stand noch ein “echter” Glühwein und eine doch recht
ansehnliche Portion Pommes, diesmal aber gegen digitale Schweizer Franken. Den Kostümlauf am Ende habe ich mir nicht mehr anschauen
können, ich spürte dann doch, dass ich meine Körpertemperatur nicht mehr lange werde halten können. Immerhin sah ich schon wandelnde
Christbäume und Weihnachtspyramiden.. Ich wusste aber auch, wann die halbstündlichen schnellen Züge nach Schaffhausen fahren...

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