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Altentrüdingen,  06.01.2016
Läuferlegende Fritz Edelmann

ALTENTRÜDINGEN (Bericht und Bilder von Heinz Meyer) – In Läuferkreisen ist der Altentrüdinger Fritz Edelmann (66) nicht nur als ein unverwüstliches und stets gut gelauntes Original, sondern auch als eine regionale Läufer-Legende bestens bekannt. Der heutige Leichtathlet und frühere Boxer, der in seiner langen Karriere oft mit schwerwiegenden Verletzungen zu kämpfen hatte, will seine vielschichtigen Erfahrungen bis Ostern in einem Buch mit dem Titel „Grad sEdelmann1chee wors“ zusammentragen.
Seine sportliche Karriere begann Edelmann unspektakulär als 17-jähriger im Fußball beim TSV Unterschwaningen. Wie viele Gleichaltrige sprach er dem Alkohol zu und war darüber hinaus ein starker Raucher. Irgendwann spürte er, dass in seinem Körper noch viel mehr steckt; er wollte an seine Grenzen gehen und dies bereitete ihm auch noch Spaß. Der Fritz begann im nahen Gunzenhausen mit dem Boxen und absolvierte an Pfingsten 1968 in Mönchsdeggingen seinen ersten Volkslauf.
Ein achter Platz unter 140 Teilnehmern spornte ihn an und bald begann er gesünder zu leben. Dem Boxen blieb er zunächst aber erhalten und er schaffte es 1970 bis zum Bayerischen Vizemeister. Er boxte im Leicht- oder Federgewicht (um die 57 Kilogramm) selbst im „Zirkus Krone“ in München und wurde in den B-Kader für die Olympischen Sommerspiele 1972 in München aufgenommen. Wenig später bestritt er nach rund 60 Einsätzen seinen letzten Kampf, in welchem er schwer k .o. gegangen war.
Schon zuvor hatte er das Fußballspielen eingestellt und konzentrierte sich nun voll auf den Laufsport. Erst trat er für den Schützenverein Altentrüdingen an, ab 1974 dann für den Turn- und Sportverein (TSV) Dinkelsbühl. Von Beginn an begleiteten zum Teil schwere Sportverletzungen seine Laufbahn, welche ihn aber nicht davon abhielten, an den Start zu gehen und Wettkämpfe zu bestreiten.Edelmann3
Auch teilweise abgerissene Achillessehnen, Muskelbündelrisse, Ermüdungsbrüche, gebrochene Rippen oder selbst Arm- und Schlüsselbeinbrüche hinderten den zähen Kämpfer nicht daran, sich mit anderen Läufern zu messen. Selbst frisch genähte Wunden waren ihm kein Hindernis. Man schrieb das Jahr 1992, als er mit Gipsarm am Berlin-Marathon teilnahm. Nach einer Strecke von etwa 100 Metern lag der Fritz plötzlich in Führung; noch vor den Weltklasseathleten aus Kenia.
„Da war ich sogar im Fernsehen kurz zu sehen“, erinnert sich der Fritz noch heute an dieses fast surreale Bild. Trotz eines hartnäckigen Muskelfaserrisses war er im August 2005 nach Leipzig gereist, um dort an einem 100-Kilometer-Lauf teilzunehmen. Ein Muskelbündelris stoppte ihn dann nach 17 Kilometern. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, praktisch ohne Training nur zwei Monate später mit Erfolg am München-Marathon teilzunehmen, obwohl er nur acht Tage vorher fast unter einem Grabstein begraben worden war. „Geht nicht – gibt es nicht!“, so das Motto des ehemaligen Landwirts, der seinen Beruf in diesem Jahr an den Nagel gehängt hatte.
Mit dem Marathon in München, der 1983 erstmals ausgetragen wurde, verbindet ihn eine ganz andere Konstellation. Ein Postbote aus München und eben Fritz Edelmann sind die einzigen beiden Läufer, die bislang bei allen 30 Austragungen am Start waren. Erst 2015 war er nur zwei Monate nach einer Knieoperation wieder am Start und legte mit einer Laufzeit von dreieinhalb Stunden eine Fabelzeit hin. Sechs Jahre zuvor hatte er sich zwischen zwei Marathons eine neue Hüfte so einsetzen lassen, dass er auf eine Teilnahme nicht verzichten musste. Auch verweilt seit dieser Zeit eine Schraube in seinem Knie.
2007 hatte er die 42,195 Kilometer in München nach einem Sehnenabriss in der Schulter und nach einem Bruch der Kniescheibe trotz aller Widerwärtigkeiten mit Bravour bis ins Ziel geschafft. In seiner langen Karriere war Fritz Edelmann mehrmals Bayerischer Vizemeister im Cross- und im Berglauf sowie im Halbmarathon wie auch über die doppelte Distanz. Anfang der achtziger Jahre lief er mit 32:27 Minuten über zehn Kilometer und 2:41 Stunden auf der Marathonstrecke seine besten Zeiten.
Noch höher ist eine Bestzeit von 1:22 Stunden auf der 25-Kilometer-Strecke einzustufen. Bislang absolvierte er rund 70 Marathons; nur einen davon musste er wegen eines Leistenbruches frühzeitig aufgeben. Einmal war er wegen einer vermeintlich schweren Verletzung schon umgekehrt, doch plötzlich fühlte er sich wieder fit und er lief wieder in die andere Richtung und kam ins Ziel. Des Morgens um 3:30 Uhr musste der Landwirt schon aus dem Bett, um seine 28 Kühe zu melken. Oft war er um sechs Uhr noch im Stall und schaffte es immer wieder, um neun Uhr in München an der Startlinie zu stehen.
Sein SportEdelmann PokalVitrine führte ihn auch ins Ausland, wo er in Österreich oder Italien an Laufveranstaltungen teilnahm. 1998 startete er im belgischen Brügge sogar bei einer Weltmeisterschaft im 25-Kilometer-Lauf und eine Halbmarathon-Europameisterschaft im Riesengebirge in Tschechien beendete er mit einem respektablen 14. Rang. Selbst am legendären Zugspitzlauf hat der Vater von drei Töchtern regelmäßig teilgenommen und einen 100-Kilometer-Lauf beendete er nach weniger als achteinhalb Stunden.
„Das ganze Leben ist wie ein Marathonlauf“ zieht der heutige Rentner einen interesanten Vergleich. Heute freut er sich über jeden Kilometer, den er künftig noch laufen wird. Mit seinen beiden Eseln, die ihn oft beim Training begleiten, will er 2016 wieder an einem Esels-Rennen in Hersbruck vor 3000 Zuschauern teilnehmen. Wegen dieser Veranstaltung hatte er eine anstehende Operation auch schon mal ausgeschlagen und verschoben.
Von vielen Leuten wurde er wegen seiner vielschichtigen Erfahrungen oft angesprochen, diese in einem Buch festzuhalten. Diesem Ansinnen will Fritz Edelmann mit Hilfe seiner Tochter Maria bis Ostern nachkommen. Diese hatte ihm anlässlich eines Krankenhausaufenthaltes im September 2011 ein leeres Buch mit einer persönlichen Widmung geschenkt, was die Initialzündung für eine  Umsetzung des Buches sein sollte.
Per Hand hat er die Höhepunkte seiner schillernden Läuferkarriere niedergeschrieben, was von einer Freundin der Tochter zu Computer gebracht wurde. Nach rund dreijähriger Arbeit soll das mit zahlreichen Fotos und Zeitungsartikeln versehene Werk zum kommenden Osterfest erscheinen. Es wird den bezeichnenden Titel „Grad schee wors“ tragen. „Ich würde alles wieder so machen – nur etwas überlegter“ bereut die Läufer-Legende kaum etwas. „Aber Nerven kostet das schon“, meint seine Ehefrau Gisela nur. Selbst den Text für seine Todesanzeige hat der „alte Fritz“ in seinem Buch schon mal festgelegt; er nimmt Bezug auf: die Liebe zum Laufsport.

Bild 1 und 2: Oft ist Fritz Edelmann zusammen mit seinem Esel „Emil“ rund um Altentrüdingen beim Training zu sehen.
Bild 3: Eine Vitrine im Flur seines Hauses legt Zeugnis ab von den vielen sportlichen Erfolgen.